Warum der Wechsel zu Wordpress?

Manche lesen meinen Blog ja nun schon länger und werden den offensichtlichen Wechsel von Blogger zu WordPress bemerkt haben. Dieser Wechsel hat einige wenige Gründe. Zum einen war ich schlichtweg unzufrieden mit den Möglichkeiten und Fehlern des Blogger Editors. Ich hatte dauerhaft Probleme mit den Fonts. Zum anderen gefallen mir die Möglichkeiten für Design und „Herumbasteln“ unter WordPress besser. Ein dritter Grund ist der Zeitpunkt. Da ich jetzt vor kurzem begann regelmäßiger zu schreiben, wollte ich den Wechsel lieber früher als später vollziehen.

Soviel zu meinem Wechsel. Nichts dramatisches.

Advertisements

Das Selbstzeugnis der Schrift und Subjektivismus

Da mein Beitrag zu den epistemologischen Vorraussetzungen der evangelikalen Bibelwissenschaft mit einigen Anfragen in den Kommentaren beantwortet wurde, möchte ich diesen Post nutzen, um die dort angesprochene Problematik vor einen größeren Hintergrund zu stellen.

bible Die am stärksten vorgebrachte Anfrage betraf die mögliche Subjektivität meines präsentierten Vorschlags. Dabei kam vor allem meine Annahme der Schrift als nicht hinterfragbares Prinzip der Theologie bzw. als „realitätsschaffende“ Grundlage der Wirklichkeit in Kritik. An dieser Stelle möchte ich daher noch einmal auf die einleitenden Worte aus dem ersten Post verweisen, in welchen ich bemängelte, dass Apologetik und Theologie im Evangelikalismus oftmals miteinander verschwimmen. Dabei drängt sich mir die Frage auf: ist unser theologisches Schaffen unseren apologetischen Möglichkeiten unterworfen? Können wir nur das voraussetzen, was wir auf der Grundlage kritischer Methode als glaubwürdig darstellen können? Wird unsere Theologie unwissenschaftlich, wenn wir sie auf einem Axiom bzw. einem Prinzip ruhen lassen, welches sich der Möglichkeit der Falsifizierung entzieht? Da aber jede Wissenschaft axiomatisch begründet ist, halte ich es für fragwürdig der Theologie ein solches Axiom zu verneinen. Deshalb gilt es Theologie und Apologetik zu trennen, da Letztere immer darauf abzielt Erstere vor Menschen zu „verteidigen“, welche die Axiome der Theologie nicht teilen.

Evangelikale Bibelwissenschaft ist nun per Definition christliche Bibelwissenschaft, ergreift ihren Gegenstand somit im Glauben und dient dem größeren Ziel der Theologie, welche axiomatisch begründet ist. Die erste Hälfte meiner These war daher (und ist immernoch) so formuliert, dass die Schrift als Gegenstand der Bibelwissenschaft im größeren Zusammenhang der christlichen Theologie auf Grundlage des Testimoniums des Heiligen Geistes als objektive Grundlage unseres theologischen Schaffens begriffen werden sollte. Während der zweite Teil meiner These dann die erkenntnistheoretischen Folgen der ersten Hälfte ausführte (siehe meinen ersten Post), soll es in diesem Beitrag nun um die oben ausgeführte erste Hälfte gehen.

Wenn die evangelikale Bibelwissenschaft als Teil der Theologie begriffen wird, dann folgt, dass sie in erster Linie ebendieser dient und nicht als apologetische oder schlicht geschichtsschreibende Disziplin verstanden werden kann. Die zurecht aufgekommene Frage ist aber: wie ist es möglich die Schrift schlichtweg als Axiom bzw. Principium der Theologie zu postulieren ohne dabei zunächst ihre Glaubwürdigkeit durch weitere „wissenschaftliche“ Argumente rechtfertigen zu müssen?

Zum einen ist hier anzumerken, dass die gewünschte Falsifizierung das Schriftprinzip insofern in Frage stellt, als dass zur Schrift als Grundlage der Theologie eine weitere, der Schrift ebenbürtige (oder sogar bedeutendere) Instanz hinzutreten würde: die Philologie bzw. die Geschichtswissenschaft, die zunächst auf Grundlage ihrer eigenen Axiome entscheidet, welche Teile der Schrift der Theologie als Principium dienen dürfen. In diesem Fall hätte die evangelikale oder gläubige Bibelwissenschaft sich schlichtweg abgeschafft und wäre durch eine rein säkulare Geschichtswissenschaft oder Philologie ersetzbar.

Zum anderen ist die Frage zu stellen, wie ein Wahrheitsanspruch in der Theologie erhoben werden kann? Schlussendlich ist die Suche nach der Grundlage der Theologie ja noch immer eine theologische Fragestellung. Meine Antwort ist daher, dass theologische Wahrheitsansprüche nur dann Geltung haben, wenn sie vom Axiom der Theologie abgeleitet sind: der Schrift. Eine wissenschaftliche Begründung der Schrift als Axiom der Theologie aus der Schrift selbst muss daher ausreichend sein, weil die Theologie auf der Schrift als Axiom ruhende Wissenschaft ist. Dabei ist der Begriff „Begründung“ vielleicht falsch gewählt, denn Axiome müssen in der Regel nicht begründet werden. Und genau hier erreiche ich den Kern meiner Ausführungen: Jede Art von Erkenntnis ruht auf nicht falsifizierbaren Axiomen (oder Prinzipien) und wird daher durch „Glauben zum Glauben“ aufgerichtet (Vgl. Belt, „Autopistia,“ 298). Erkenntnis und Glaube sind somit zutiefst miteinander verbunden.

Woher weiß ich aber nun, dass mein Axiom stimmt? Wie kann ich der Subjektivität einer beliebigen realitätschaffenden Ideologie entgehen? Als Theologe darf man an dieser Stelle nicht zimperlich oder ängstlich sein, Gottes Wirken in die Beantwortung dieser Frage mit hinein zu nehmen.

An dieser Stelle ist es hilfreich, dass man sich noch einmal den Gegenstand der Theologie (und somit auch im Endeffekt der Bibelwissenschaft) vergegenwärtigt: der offenbarte Gott. Das Axiom der Theologie ist daher die Grundlage, auf welcher dieser Gegenstand bzw. dieses Objekt erst erkennbar wird.

Wie kann ich als Subjekt das Objekt der Theologie (Erkenntnis über den offenbarten Gott) ergreifen? Oder anders: wie kommt das Objekt zum Subjekt? Wie erkenne ich Wahrheit? Da Glaube und Erkenntnis zusammenhängen, muss die epistemologische Brücke zwischen Objekt und Subjekt beim Menschen an seiner Rationalität und an seinem Glauben ansetzen.

Die göttliche Authentizität der Schrift wird durch das Testimonium des Geistes im Gläubigen erkennbar (vgl. Ps 119,105; 19,10; Joh 10,3; 10,14; 3,3-5; 2 Kor 3,14-18; 4,3-6; 1 Thess 1,5; 2,13), wodurch die Schrift anhand ihre eigenen Wahrheit erkannt wird. Das Axiom der Theologie, welches durch Glauben zum Glauben aufgerichtet wird, wird somit durch Gott den Geist selbst im Herzen des Gläubigen als das wahre und richtige Axiom jeglicher Erkenntnis über Gott bezeugt. An dieser Stelle ist es wichtig zu betonen, dass das Testimonium keine Inhalte vermittelt sondern dem Gläubigen die Authentizität des Axioms der Theologie aufzeigt. Dieses Zeugnis erst macht es überhaupt möglich, dass ein Mensch Gotteserkenntnis auf Grundlage der Schrift haben kann. Das bedeutet auch, dass es keine nicht-christliche Theologie geben kann, da der Glaube eine Voraussetzung für die Gotteserkenntnis ist.

Man könnte nun einwerfen, dass dieses von mir grob skizzierte epistemologische System in sich selbst begründet und daher nicht falsifizierbar ist. Das gebe ich gerne zu. Ist es aber deshalb der Subjektivität unterworfen? Gerade in Zeiten der Postmoderne wird uns klargemacht, dass unser Wissen an vielen Stellen konstruiert ist und von bestimmten Vorraussetzungen abhängt. Daher wird die Möglichkeit objektiver Wahrheitsansprüche massiv in Frage gestellt. Da jede Form von Wissen aber auf Axiomen oder Konstrukten beruht und somit durch Glauben zum Glauben existiert, sind die tief zugrunde liegenden Wahrheitsansprüche im Endeffekt so oder so nicht falsifizierbar. Die Authentizität der Schrift von externen „wissenschaftlichen“ Argumenten abhängig zu machen, verschiebt also nur das Problem. Durch das Eingreifen Gottes und des Geist gestifteten Zeugnisses über die Schrift kann jedoch Objektivität existieren. Gerade das Bekenntnis zur Schrift auf Grundlage des Glaubens ist daher nicht der Subjektivität unterworfen, weil Gottes Wirken eine Realität ist, die im Glauben ergriffen wird.

Wahrhaftig sein in der Liebe (Eph 4,15): Ein Kommentar

Mit seinem neuesten Post hat Tobias Faix natürlich recht: im Leib Christi Wahrheit gegen die Liebe ausspielen zu wollen entspricht nicht dem Wort Gottes. Wie aber sieht gelebte Liebe in der Gemeinde aus? Dazu der Apostel Paulus in Epheser 5:

1) Die Überschrift: Lebt in der Liebe

2) Das Leben in der Liebe beschrieben (Eph 5,3-33):

• Fernhalten von Unzucht (5,3)

• Danksagung statt schandbarer Rede (5,5)

• Keine Verführung durch Irrlehre (5,6)

• Güte und Gerechtigkeit (5,9)

• Prüfen ob das eigene Handeln Gott gefällt (5,10)

• Weise sein und den Willen des Herrn erkennen (5,17)

• Ermunterung durch Psalmen und Lobgesang (5,19)

• Unterordnung der Gemeinde (5,21-33)

        • Unterordnung der Gemeinde unter Christus (5,24)

        • Unterordnung der Frauen unter ihre Männer (5,24)

        • Christusähnliche Liebe der Männer zu ihren Frauen (5,28-33)

 

1 So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder 2 und lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch. 3 Von Unzucht aber und jeder Art Unreinheit oder Habsucht soll bei euch nicht einmal die Rede sein, wie es sich für die Heiligen gehört. 4 Auch schandbare und närrische oder lose Reden stehen euch nicht an, sondern vielmehr Danksagung. 5 Denn das sollt ihr wissen, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger – das sind Götzendiener – ein Erbteil hat im Reich Christi und Gottes. 6 Lasst euch von niemandem verführen mit leeren Worten; denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams. 7 Darum seid nicht ihre Mitgenossen. 8 Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Lebt als Kinder des Lichts; 9 die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. 10 Prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist, 11 und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis; deckt sie vielmehr auf. 12 Denn was von ihnen heimlich getan wird, davon auch nur zu reden ist schändlich. 13 Das alles aber wird offenbar, wenn’s vom Licht aufgedeckt wird; 14 denn alles, was offenbar wird, das ist Licht. Darum heißt es: Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.) 15 So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise, 16 und kauft die Zeit aus; denn es ist böse Zeit. 17 Darum werdet nicht unverständig, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist. 18 Und sauft euch nicht voll Wein, woraus ein unordentliches Wesen folgt, sondern lasst euch vom Geist erfüllen. 19 Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen 20 und sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus. 21 Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi. 22 Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn. 23 Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Gemeinde ist, die er als seinen Leib erlöst hat.24 Aber wie nun die Gemeinde sich Christus unterordnet, so sollen sich auch die Frauen ihren Männern unterordnen in allen Dingen. 25 Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Gemeinde geliebt hat und hat sich selbst für sie dahingegeben, 26 um sie zu heiligen. Er hat sie gereinigt durch das Wasserbad im Wort, damit er27 sie vor sich stelle als eine Gemeinde, die herrlich sei und keinen Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern die heilig und untadelig sei.28 So sollen auch die Männer ihre Frauen lieben wie ihren eigenen Leib. Wer seine Frau liebt, der liebt sich selbst. 29 Denn niemand hat je sein eigenes Fleisch gehasst; sondern er nährt und pflegt es wie auch Christus die Gemeinde. 30 Denn wir sind Glieder seines Leibes. 31 »Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen, und die zwei werden „ein“ Fleisch sein« (1.Mose 2,24). 32 Dies Geheimnis ist groß; ich deute es aber auf Christus und die Gemeinde. 33 Darum auch ihr: ein jeder habe lieb seine Frau wie sich selbst; die Frau aber ehre den Mann.

Das Ebenbild Gottes im Garten Eden? Rezension zu Catherine Beckerlegs Dissertation

Welche Abschnitte im Alten Testament sprechen über den Menschen als das Ebenbild Gottes? Der locus classics einer jeden exegetischen Untersuchung zur imago dei ist ja bekanntlich Gen 1:26-27. Wie verhält es sich aber mit der Eden-Erzählung in Gen 2:5-3:24 im Bezug auf die Darstellung der Ebenbildlichkeit im Alten Testament? Catherine Beckerlegs ausgezeichnete Dissertation „The Image of God in Eden: The Creation of Mankind in Genesis 2:5-3:24 in Light of the mīs pî pīt pî and wpt-r Rituals of Mesopotamia and Ancient Egypt“ (PhD diss., Harvard University, 2009) liefert durch die Beachtung altvorderorientalischer Texte nicht nur hilfreiche Impulse im Bezug auf den Zusammenhang von Gen 1:1-2:3 und Gen 2:5-3:24, sondern trägt auch Substantielles zum theologischen Diskurs über die Ebenbildlichkeit Gottes bei.

beckerleg

Worum geht es? Während oftmals behauptet wird, dass Israel im Gegensatz zu allen umliegenden Kulturen keine „Götzenbilder“ besaß (oder: besitzen sollte), finden sich starke Parallelen zwischen dem Menschen als „Bild“ Gottes und den altvorderorientalischen Gottes-Statuen. Es reicht hier schon auf die linguistische Verwandtschaft zwischen dem hebräischen ṣelem („Bild, Götze“) und dem akkadischen ṣalmum zu verweisen, um die enge Verbindung aufzuzeigen. Beckerleg analysiert daher die zwei wichtigsten altvorderorientalischen Rituale zur Animierung und Installation der Götzenbilder im alten Orient: das mesopotamische mīs pî pīt pî und das ägyptische wpt-r Ritual. Die Bedeutung und Funktion dieser Rituale vergleicht Beckerleg mit Gen 2:5-3:24 und zeigt folglich, dass die Eden-Erzählung den Bericht von Gen 1:1-2:3 mit besonderer Aufmerksamkeit auf die „Animation“ des Bildes fortsetzt.

Methodologisch analysiert sie zunächst jedes der beiden Rituale sowie die Erschaffung des Menschen in Gen 1:26f im jeweils eigenen literarischen und historischen Kontext. Weil eine genaue Darstellung beider Rituale den Rahmen dieser Rezension sprengen würde, will ich mich auf darauf beschränken die wichtigsten Aspekte des mīs pî pīt pî mit Blick auf Gen 2:5-3:24 zu nennen. Das Ritual der Mundwaschung und Mundöffnung mesopotamischer Bilder wurde an zwei aufeinanderfolgenden Tagen abgehalten. Dabei wurde die Statue zunächst in der Tempelwerkstatt durch Mundwaschung von Priestern gereinigt sowie als Gott angesprochen, was auf die schon vorhanden Funktionsfähigkeit der „Sinnesorgane“ hindeutete. Darauf folgend wurde die Statue zu einem Flussufer und in einen Garten gebracht, in welchem das Ritual am nachfolgenden Tag seinen Höhepunkt erreichte. Im Garten, der die physische Manifestation eines mythologischen Ortes repräsentierte, wurden symbolisch Throne für Ea, Shamash, und Asalluchi aufgestellt. Mundwaschungen und „Mundöffnungen“ wurden durch die Priester durchgeführt, während den Handwerkern symbolisch die Hände abgeschnitten wurden, um zu verdeutlichen, dass die Statue im Himmel und nicht durch Menschen konstruiert wurde. Der Statue wurden Opfer dargebracht, sie wurde mit edlen Stoffen bekleidet, und man setzte ihr die melammu Krone auf, welche die Manifestation der göttlichen Herrlichkeit repräsentierte. Priester sangen der Statue zu, dass sie „im Himmel durch ihre eigene Kraft geboren“ wurde und zeigten somit an, dass der Prozess der Animation der Statue nun vollendet war. Ihre Sinnesorgane wurden vollständig aktiviert, sie empfing Nahrung durch die Opfer und war nun bereit im Tempel als Manifestation der Gottheit zu fungieren. Beckerleg interpretiert das gesamte Ritual als eine gleichzeitige rituelle Geburt und Konstruktion der physischen Manifestation einer Gottheit. Sie schreibt, dass „It was in the garden that the image was fed with fruit and clothed with divine regalia and insignia, which included an exalted crown radiating divine splendor in all direction. Once created, born, fully animated and adorned, the image was then installed in its temple home and fed its first full meal.“ (Catherine Leigh Beckerleg, „The ‚Image of God‘ in Eden: the Creation of Mankind in Genesis 2:5-3:24 in Light of the mīs pî pīt pî and wpt-r Rituals of Mesopotamia and Ancient Egypt“ [PhD diss., Harvard University, 2009], 119f).

Die Ebenbildlichkeit in Gen 1,26f versteht sie in drei Kategorien: Erstens, ausgehend von der Beschreibung von Seths Sohnschaft als „Ebenbildlichkeit“ Adams in Gen 5,1ff interpretiert Beckerleg die Imago Dei als Verwandtschaft. Zweitens, die Verbalwurzeln rdh („untertan machen“) und kbš („herrschen“) in Gen 1:28 deuten auf Adam und Eva als Repräsentanten der göttlichen Königsherrschaft. Gen 9,6 verbindet folglich das Konzept der Imago Dei mit göttlichem Gesetz und göttlicher Gerechtigkeit. Drittens, Beckerleg versteht das Konzept der Imago Dei als kultisch, weil Adam mit einer altvorderorientalischen Statue verglichen wird.

Zum Schluss diskutiert Beckerleg wie das dreifache Konzept der Ebenbildlichkeit (Verwandtschaft, Königtum, Kult) aus Gen 1:26f und Aspekte der Rituale in Gen 2:5-3:24 aufgenommen wurden. Erstens, sowohl in den Ritualen als auch in Gen 2-3 war der Garten der Ort, in welchem Adam „animiert“ wurde (Gen 2,7). Mehr noch, Gott sprach Adam an, um anzuzeigen, dass seine Sinnesorgane bereits aktiviert worden waren (mit Ausnahme der „Augen“). Zweitens, so wie die Bilder im Anschluss an die Rituale im Tempel installiert wurden, um dort als Manifestation der Gottheit zu fungieren, wurde auch Adam im Garten „installiert“, um dort seine Rolle als Ebenbild Gottes auszuführen. Drittens, die ursprüngliche Nacktheit Adam und Evas gleicht der ursprünglichen Nacktheit der Statuen, die im Laufe des Rituals mit herrlicher Kleidung und der Melammu-Krone bekleidet wurden. Psalm 8, welcher stellenweise Gen 2 kommentiert, stellt den Menschen als mit (unsichtbarer) Herrlichkeit und Ehre gekleidet dar und reflektiert somit die Funktion der melammu Krone in den Ritualen. An dieser Stelle hat Beckerlegs These ihre größte Erklärungskraft: während die Augenöffnung der Bilder das Klimax der Rituale darstellte und in schlussendlicher „Vergottung“ der Statuen resultierte, sollten Adam und Eva nicht „vergottet“ werden. Die Versuchung der Schlange in Gen 3 ist auf Grundlage dieses Hintergrundwissens sehr verständlich erklärbar. Die verlorene Herrlichkeit konnte nicht durch das notdürftige Bedecken mit Feigenblättern ersetzt werden, selbst die durch Gott empfangene Kleidung reichte nicht aus.

Beckerlegs These dass Gen 2:5-3:24 die Schöpfung der Menschen im Ebenbild Gottes weiter ausführt und mit bewussten Anspielungen auf die oben genannten altvorderorientalischen Rituale erklärt, kann ich daher nur zustimmen. Dennoch stehe ich auch einigen ihrer Annahmen kritisch gegenüber. So muss ihre dreifache Kategorisierung der Imago dei weiter qualifiziert werden. Das Konzept der Verwandtschaft erklärt sie fast ausschließlich aus Gen 5,3, einer Stelle in der Sohnschaft im Vordergrund steht. Ihr Versuch dieses Konzept mit der Schöpfung Evas aus Adams Seite als Verwandtschaft zu verbinden erscheint mir fragwürdig. Auf der einen Seite steht in Gen 2 nicht Sohnschaft im Vordergrund (sondern eine Fortsetzung der Trennungen in Gen 1,3ff), auf der anderen Seite scheint Sohnschaft nicht die beste Kategorie das Auftreten von „Ebenbidlichkeit“ und „Ähnlichkeit“ in Gen 5,3f zu erklären. Schlussendlich gehören diese Begriffe dem semantischen Feld der physischen Repräsentation an und lassen sich (besonders auf dem Hintergrund von Beckerlegs grundlegender These) wesentlich besser auf dem Hintergrund von Adams physischer Repräsentation Gottes erklären. Während diese Kritik die Sohnschaft Adams natürlich nicht ausschließt (Luk 3), stellt sie doch die Anfrage ob das Konzept der Verwandtschaft (und speziell der Sohnschaft) tatsächlich Teil der Imago dei ist. Dazu sollte außerdem bedacht werden, dass die Menschheit nie als Gottessohn im restlichen Alten Testament auftritt. Eine weitere Kritik betrifft ihr Konzept des Kults. Während Adam natürlich eine kultische Funktion im Garten Eden wahrnahm (nämlich die des Priesters) bleibt Beckerlegs Analyse auch hier zu oberflächlich. Adam nimmt nie als „Bild“ am Kultus teil. Im Alten Testament fungiert die Menschheit nie in ähnlicher Weise zu den Götzenbildern im israelitischen Gottesdienst. Ist Adams Priesterschaft möglicherweise eine Ableitung seiner Königsherrschaft und somit Teil der Imago? Da gerade im alten vorderen Orient Könige oftmals priesterliche Funktion hatten, ist das durchaus vorstellbar. Dann bliebe die dreifache Aufteilung des Imago Konzepts bei Beckerleg aber weiterhin problematisch, denn Kultus bliebe als eigene Kategorie neben der Königsherrschaft stehen. Dennoch: Beckerlegs Dissertation ist ein außerordentlich gut gelungenes Beispiel vergleichender Studien im Bereich Altes Testament und Alter Orient. Sie zeigt, dass der Mensch als Gottes Ebenbild ein Repräsentant seiner göttlichen Herrschaft ist, in ursprünglicher Herrlichkeit geschaffen wurde, und durch den Versuch der „Vergottung“ diese Herrlichkeit verlor. Durch die Parallelen zu den Ritualen im alten vorderen Orient kann sie außerdem aufzeigen, dass die Schöpfung der Imago auch im Garten Eden beschrieben wird.