Omri – Der unbedeutende wichtigste König des Nordreiches

Das Königsbuch verwendet ganze acht Verse, um die Regierungszeit des Königs Omri im Nordreich Israel zu beschreiben (1 Kön 15,21-28). Wir lesen dort, dass Omri den Bürgerkrieg gegen seinen Rivalen Tibni gewann, die neue Hauptstadt Samaria gründete und dass er in der Sünde Jerobeams wandelte (wahrscheinlich eine Anspielung auf den heterodoxen Jahwismus des Nordens). Mehr berichtet die Schrift nicht über ihn.

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Die Moab-Stele

Die Kürze dieses Berichts wird auf dem geschichtlichen Hintergrund Omris noch erstaunlicher. Drei kurze Anmerkungen sollen helfen, das Urteil der Bibel über Omri (1 Kön 15,25) noch besser zu verstehen.

  1. Omris Dynastie: Omri konnte nach dem Tod Simris eine neue Dynastie begründen: die Omriden bzw. das Haus Omris. Das hebräische bzw. semitische Wort für „Haus“ kann auch für den Ausdruck einer dynastischen Abfolge verwendet werden (z.B. das „Haus Davids“ oder das „Haus Omris“). Es war die generelle Handlungsart der Assyrer, der damaligen Großmacht, ein Reich nach dem (ihrer Meinung nach) bedeutendsten seiner Könige zu benennen. Daher blieb das Nordreich nach dem Auftreten Omris in allen außerbiblischen Quellen immer das „Haus Omri“. Aus der Perspektive altorientalischer Politik war Omri der wichtigste aller Könige des Nordreiches.
  2. Omris Allianz mit Tyrus: Omri verheiratete seinen Sohn Ahab mit Isebel, der Tochter des Etbaals von Sidon (vgl 1 Kön 15,31). Das war ökonomisch ein geschickter Schachzug, da Tyrus damals einer der wichtigsten politischen „Player“ der Gegend  war. Durch diese Allianz konnte Omri sich wahrscheinlich enorm bereichern und den Norden aus den ökonomischen Dilemmata befreien, die der konstante Krieg mit dem Süden offensichtlich mit sich brachte.
  3. Omris Eroberungen: Obwohl es in der Bibel nicht geschildert wird, wissen wir aufgrund der Moab-Stele, dass Omri einen Erzfeind der Israeliten, das Reich Moab eroberte. Dieser außenpolitische Erfolg wird in der Bibel nicht mal verzeichnet.

Politisch muss Omri ein enormes Ansehen im alten Orient genossen haben. Warum hat die Bibel kein Interesse daran? Auf der einen Seite wird Omris Allianz mit Tyrus den Baalskult in Israel verstärkt haben, da Isebel sicherlich ihre Priester mitbrachte. Auf der anderen Seite ist die Bibel nicht an den politischen Errungenschaften eines Königs interessiert. Was zählt ist die Frage ob Omri ein gottesfürchtiges Leben geführt hat. Das verneint das Königebuch ganz klar (1 Kön 15,25).

Gleichzeitig ist Omris Geschichte ein Spiegel für unsere eigenen „Errungenschaften“. So wichtig ein Mensch im Angesicht anderer Menschen auch sein mag, kann er ein vollkommen nicht-berichtenswürdiges Leben in den Augen Gottes geführt haben. Im Prinzip wird von Omri hier nämlich nur erzählt, was in der Geschichte später noch einmal wichtig wird bzw. notwendig für das weitere Verständnis ist.

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