Bünde zwischen Gott und den Menschen im Alten Orient – Ein Beispiel aus Saba

Prediger und Theologen weisen häufig daraufhin, dass Bündnisse im alten Orient zwar gängig waren, ein Bund zwischen einem Gott und seinem Volk, wie es im alten Testament berichtet wird, jedoch eine einzigartige Anormalität darstellte. Das ist aber nur bedingt richtig. Hier möchte ich ein Beispiel für einen Bund zwischen einem Gott und seinem Volk aus einer sabäischen Inschrift vorstellen. Es handelt sich dabei um eine Weihinschrift (Siglum AO 31929; Die Edition mit Foto aus CSAI findet sich hier), die YṮ‘’MR WTR, einer der Könige Sabas, im 8.Jh.v.Chr. anfertigen ließ. Das Königreich Saba mit der Hauptstadt Marib befand sich innerhalb des heutigen Yemen und gehört zu den vier bekannten Weihruch-Königreichen. Da die Vokalisation des Sabäischen unbekannt ist, hat sich die Transkription von sabäischen Eigennamen in Großbuchstaben als Konvention durchgesetzt:

1  Yṯʿʾmr Wtr bn Ykrbmlk mkrb S¹bʾ hqny ʾrnydʿ
2  [S²]ymn ywm ʾtw ʾrnydʿ bn Kmnhw ʿd N[s²](n)( b)-ywm Yṯʿ—
3  ʾmr w-ywm hṯb Yṯʿʾmr ʾbḍʿ ʾrnydʿ w-Ns²n w-nqm |
4  Ns²n Kmnhw b-ḏ ms¹k Ns²n ʾḫwt ʾlmqh w-ʾrnydʿ w-Yṯʿʾ—
5  mr w-Mlkwqh w-S¹bʾ w-Ns²n bn ḏ-ʾlm w-s²ymm w-ḏ ḥblm w-ḥmrm

YṮ‘’MR WTR, Sohn des YKRBMLK, Mukarrib von SB’, weihte [diesen Altar?] ’RNYD‘, dem (göttlichen) Patron als er ’RNYD‘ von KMNHW nach NSN brachte am Tag von YṮ‘’MR
und als YṮ‘’MR zurückbrachte die Bezirke von ’RNYD‘ und NSN und sich NSN an KMNHNW rächte, weil NSN festhielt am Bund von ʾLMQH und ’RNYD‘ und YṮ‘’MR und MLKWQH und SB’ und NSN auf Grundlage [des Schutzes] des Gottes und des göttlichen Patrons und des Bezirks und der Bevölkerung.

Die Wendung „Bund von ʾLMQH und ’RNYD‘ und YṮ‘’MR und MLKWQH und SB’ und NSN auf Grundlage [des Schutzes] des Gottes und des göttlichen Patrons und des Bezirks und der Bevölkerung“ wird häufig in Verbindung mit der sog. sabäischen „Bundesformel“ gebracht. W.W. Müller notiert zur Bundesformel im Sabäischen: „Wahrscheinlich waren die einzelnen Stammesgemeinden jeweils einem Gott bzw. göttlichen Patron zugeordnet.“ (Müller 1985, 660)

In diesem Fall wird der Bund (oder die „Bruderschaft“ – ʾḫwt) von ʾLMQH, dem Hauptgott der Sabäer und einer weiteren Gottheit ’RNYD‘ erwähnt. Dieser Bund involviert offensichtlich den König als Repräsentanten des Volkes und das jeweilige Gebiet. Der Bundesgedanke ist somit mit dem Anspruch eines Gottes auf ein Volk und ein Gebiet verbunden.

Im Zusammenhang der hier erwähnten Weihinschrift wird ebenfalls ersichtlich, dass die Gottheit ʾLMQH eine schützende sowie Vereinende Funktion innehatte. Der Bezirk NSN wird außerdem besonders für sein Festhalten am Bund gelobt. Dies impliziert einen möglichen Abfall, der wahrscheinlich gerächt wurde.

Es steht natürlich außer Frage, dass die Bünde zwischen JHWH und Israel eine zu unterscheidende theologische Funktion haben. Gleichzeitig entspricht die literarische Struktur der AT Bünde im großen und ganzen eher den hethitischen und assyrischen Vasallenverträgen (wobei uns kein Bundeschluss aus Saba überliefert ist mit dem wir diese Verträge vergleichen könnten). Dennoch findet sich hier auch eine Parallele zu den AT Bünden in der Verbindung von Land, Volk und Gottheit durch einen Bund.

 

 

Lit.: Müller, W.W., „Altsüdarabische und frühnordarabische Inscriften,“ Seiten 651-666 in: TUAT I/3. Ed. von Rykle Borger u.a.

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