Jesaja 40-55 für Angstgeplagte

Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.“ Jes 40:28

Vor kurzem wurde ich mit einer Angststörung diagnostiziert, die mir aber schon seit Monaten außerordentliche Schwierigkeiten bereitet hat. Während ich mich meinen Sorgen zu Beginn dieser Zeit fast widerstandslos ergeben hatte, ist es mir gerade in den letzten Wochen wichtig geworden, dieser Angst biblische Wahrheiten entgegenzustellen. Eine meiner allgemeinen Reflexionen darüber, wie man als Christ mit Angst umgehen kann, wurde bereits auf dem Blog meines guten Freundes Marcus Hübner veröffentlicht.

In den letzten Tagen habe ich dann damit begonnen, meinen Ängsten die Worte Gottes aus Jesaja 40-55 vorzuhalten. Meine Reflexionen darüber, wie Gottes Wort in Jes 40-55 zu Angstgeplagten sprechen kann, würde ich daher gerne auf meinem Blog teilen.

Man darf beim lesen jedoch nicht denken, dass ich hier als Lehrer von oben herab sprechen würde. Ich wünschte, ich hätte selbst schon alle Antworten parat. Das Gegenteil ist jedoch leider der Fall. Ich befinde mich selbst noch mitten im Kampf mit meinen Ängsten (ein Kampf mit vielen Rückschlägen) und versuche lediglich, die Trostworte zu dokumentieren, die ich in der Bibel gefunden habe. Gleichzeitig ist es meine Überzeugung, dass Gottes Wort mächtig und unfehlbar ist und daher auch durch ein solch zerbrechliches Gefäß wie mich sprechen kann.

Während ich in den nächsten Tagen und Wochen verschiedene Reflexionen darüber, wie Gottes Wort uns in unsere Angst helfen kann aus Jes 40-55 posten will, soll dieser Beitrag als Einleitung zur ganzen Reihe verstanden werden. Es ist mir wichtig, hier eine entscheidende Vorbemerkung zu machen.

Wenn wir die Aussagen der Bibel über Angst auf die Stellen reduzieren, die uns dazu auffordern, keine Furcht zu haben (z.B. Jes 41,10), dann greifen wir meiner Einschätzung nach zu kurz. In seinem Buch „Running Scared“ schreibt der Seelsorger Edward Welch dazu folgende hilfreiche Worte (Welch 2007, 47-48; Übersetzung durch mich):

„Es gibt Zeiten, in denen uns die Angst sagt, dass etwas schlicht zu gefährlich ist und wir uns davor fürchten sollten. In meinem Hören auf meine Ängste bestand das Ziel aber darin, zu entschlüsseln, was sie noch so alles sagen….Ich war überrascht zu erkennen, dass es  eine Verbindung zwischen meinen Ängsten und meinen Wünschen, Verlangen, Bedürfnissen und Vorlieben gibt. Wenn ich nun diese Ansammlung von Vorgängen in mir selbst erkenne, dann kann ich dadurch eine größere Hoffnung haben. Ginge es bei der Angst nur um eine gefährliche Welt, dann gäbe es fast nichts, was ich tun könnte. Geht es aber um mich, dann gibt es vielleicht einen Weg heraus.“

Welch schließt diesen Absatz mit folgender Aufforderung:

„Erinnere dich an deine Ängste und frage dich: was sagen meine Ängste darüber aus, auf wen oder was ich mein Vertrauen setze? Was sagen meine Ängste darüber aus, wen oder was ich liebe?“

Ich denke, Welchs Beobachtungen sind hilfreich und akkurat. Unsere Angst ist nicht bloß eine seelische Belastung, die lediglich auf unsere Umstände zurückzuführen ist. Es ist nicht so, dass wir ausschließlich deshalb Angst haben, weil unsere Umwelt oder Lebenssituationen furchteinflößend sind. Unser Verlangen, unsere Wünsche, unsere Bedürfnisse und unsere Vorlieben spielen eine weitere wichtige Rolle im Aufkommen unserer Ängste. Gerade an dieser Stelle ist Welchs Analyse messerscharf: Unsere Ängste sprechen zu uns. Sie teilen uns mit, was uns am liebsten ist. Sie erklären uns, was wir lieben und worauf wir unser Vertrauen setzen.

Während diese Einsicht auf den ersten Blick furchteinflößend wirken kann, sollte sie als gute Nachricht begriffen werden. Wäre unsere Angst ausschließlich von unseren Umständen und Lebenssituationen abhängig, dann gäbe es kaum etwas, was wir gegen sie tun könnten. Es gibt in diesem Leben nämlich keine absolute Sicherheiten. Dadurch, dass unsere Ängste aber mit uns und unseren tiefsten Bedürfnissen zu tun haben, können wir etwas ändern.

Im Hören auf Jes 40-55 kann es deshalb nicht bloß darum gehen, dass wir Stellen suchen, die direkt über Ängste sprechen. Wir müssen auch darauf hören, was uns Gott über unsere Wünsche, Vorlieben und Hoffnungen mitteilt.

Worauf vertrauen wir? Was lieben wir? Worauf sollten wir vertrauen und was sollten wir lieben, damit wir unseren Ängsten entkommen können? Das sollen die leitenden Fragen beim Lesen von Jes 40-55 werden.

An unseren Umständen können wir häufig nichts ändern. Die gefallene Welt bricht manchmal einfach auf uns hernieder. Im Hören auf sein Wort kann Gott uns allerdings durch seinen Geist verändern. Darum soll es gehen.

Literaturangabe:
Welch, Edward T., Running Scared: Fear, Worry and the God of Rest. Greensboro: New Growth Press, 2007.

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