Ein Gott, dem nichts verborgen ist: Jes 40,12-31 für Angstgeplagte

Dies ist der zweite Teil einer Reihe von Reflexionen darüber, wie man Gottes Wort in Jesaja 40-55 seinen eigenen Ängsten entgegenstellen kann. Eine kurze Einleitung zu dieser Serie gibt es hier. Es wäre von großem Nutzen, den genannten Abschnitt aus Jesaja zuvor zu lesen.

Menschen mit Ängsten haben häufig zwei Probleme: sie wollen absolute Kontrolle über ihr Leben ausüben und meinen dabei am besten zu wissen, was gut für sie ist. Sorgen über die eigene finanzielle Zukunft sind z.B. mit einer festen Vorstellung verknüpft, in welchem Haus man leben will, auf welchem Standard man speisen möchte und welches Auto man fahren wird. Gleichzeitig werden Maßnahmen ergriffen, die eigene Zukunft zu kontrollieren. Man investiert in die besten Aktien, geht zu den besten Doktoren und hat den populärsten Account bei Twitter. Menschen reden sich oft ein, sie wären auf der Hut und gwitzt. Blickt man aber hinter die Fassade, sind sie häufig eigentlich von Angst und Zweifeln über die eigene Zukunft erfüllt.

Die Worte Gottes in Jes 40,12-31 sprechen diese beiden Probleme gezielt an. Sie malen uns einen Gott vor Augen, dem nichts verborgen ist und an dem nichts einfach vorüberzieht.

In Jes 40,27-28 erfahren wir den Anlass für Gottes Worte an sein Volk. Die Leute aus Israel begannen daran zu zweifeln, dass Gott ihr Leid überhaupt sehen kann. Gleichzeitig meinten sie, dass Gott eventuell auch gar kein Interesse an ihrer Situation hat. Gott fragt daher: „Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: Mein Weg ist dem Herrn verborgen und mein Recht geht vor meinem Gott vorüber?“

Der gesamte Abschnitt in Jes 40,12-31 ist eine Antwort auf diesen zweifachen Vorwurf des Volkes. Gott macht hier auf drei Dinge ganz besonders aufmerksam:

a) Es gibt keine absolute Kontrolle über das eigene Leben: Gott zeigt, dass die Dinge, auf die wir als Menschen häufig unser Vertrauen setzen, nicht beständig sind. Die politischen Führer und die Sprecher des Rechts sind wie Heu, das im Wind vergeht (Jes 40,23-24). Selbst die Macht der mächtigsten Völker ist nicht unbegrenzt sondern kommt zu einem Ende (Jes 40,15-17). Gleiches könnte man sicher auch über Doktoren, Fitnessberater, Finanzminister und Präsidenten sagen. Der trotdem aufkommende Versuch der Menschen, ihr eigenes Leben zu kontrollieren, ist zum Scheitern verurteilt. In Jes 40,18-21 sehen wir, wie die Reichen und die Armen versuchen, sich ihre eigenen Götter zu machen, die ihre Wünsche erfüllen. Auch heute ergreifen wir Menschen noch Maßnahmen, die uns selbst gottgleich machen sollen, so dass wir die volle Kontrolle über unser Leben haben.

b) Die Menschen wissen nicht, was sie wirklich brauchen: natürlich hat Gott vor, sein Volk von seinen Sünden und Problemen zu erretten. Die Vorwürfe Israels spiegeln nur die Begrenztheit ihrer Sicht wieder. Sie meinen, es besser zu wissen. Doch Gott zeigt auf, dass der Verstand und die Einsicht der Menschen nicht so vertrauenswürdig und informiert sind, wie wir manchmal glauben. Vor allem dann, wenn man Gottes Erkenntnis daneben stellt (Jes 40,13-14). Wie häufig denken wir, unser Leben perfekt geplant zu haben und sehen es als eine Belastung oder einen Verlust an, wenn Gott dennoch eingreift und uns einen anderen Weg führt.

c) Der Mensch muss richtig zuhören: wie ein Refrain zieht sich die wiederholte Frage „Wisst ihr nicht? Habt ihr nicht gehört?“ durch diesen Abschnitt. Haben wir Menschen denn nicht gehört, dass Gott regiert? Wir können ja sowohl aus der Schöpfung als auch in seinem Wort erkennen, dass Gott herrlich ist und die Welt erhält. In Ps 19,1-2 erfahren wir es doch: „Die Himmel erzählen von der Ehre Gottes, und die Feste verkündigt das Werk seiner Hände“. Und dann hatte Israel ja sogar das Gotteswort am Berg Sinai gehört. Hätten sie der Schöpfung und dem Wort richtig zughört, dann wüssten sie jetzt, dass Gott nicht fern ist und dass ihr Leid nicht einfach an ihm vorüberzieht. Deshalb muss er das Volk hier wieder erneut erinnern: „Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen; aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

Wenn unser Verlangen nach Kontrolle und unsere Vorstellung, unser Leben besser planen zu können als Gott, uns wieder überfällt, dann hat die Angst ihren Nährboden in unserem Herzen gefunden. Die Unberechenbarkeit dieses Daseins und die begrenzte Weißheit der Menschen können niemals die Sicherheit bewirken, nach der wir uns sehnen. Gerade an diesem Punkt werden wir deshalb dazu aufgefordert, auf Gott und seine Worte zu hören. Er hat die Kontrolle, die wir vermissen, und sein Verstand ist unausforschlich. Gleichzeitig zeigt er uns, dass er in Jesus Christus für uns ist und nicht gegen uns. Vor diesem Gott, dem nichts verborgen ist, müssen unsere Ängste weichen.

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